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2_3 Zum Verhältnis von «Picture» und «Text»
Oder: Die Symboltheorie von Nelson Goodman (Teil 1)

Wie die Ausführungen Foucaults gezeigt haben, wird einerseits der Gegensatz zwischen Bild und Text intuitiv als eine Selbstverständlichkeit begriffen — ohne Schwierigkeiten unterscheiden wir Texte und Bilder; in dieser Praxis sind wir sogar so geübt, dass wir selbst in schwierigen Fällen nicht scheitern. Zudem werden Abbildungen nach Foucault unter Umständen leichtfertig zu dem was sie darstellen.

[1] Nelson Goodman und Catherine Elgin: Revisionen, Frankfurt am Main 1989, S. 162

Der amerikanische Philosoph Nelson Goodman sucht nach einer genaueren Unterscheidung von Bild und Text, die über die Ähnlichkeit des Bildes zum abgebildeten Gegenstand und den Diskurs des Textes hinausgeht: «Repräsentation im Sinne von Abbildung ist eine vertrackte Angelegenheit — doch wie vertrackt, das sehe ich erst jetzt allmählich ein. Wenn wir uns einmal von dem Dogma freimachen, dass Abbildung sich durch die Bezugnahme durch ein Symbol auf etwas, dem es ähnelt definieren lässt, dann sehen wir uns der schwierigen Aufgabe gegenüber, eine geeignete Charakterisierung zu finden.»[1] Was unterscheidet Text und Bild also genau?

[2] Richard Schantz: Die Ordnungen der Bilder — Nelson Goodmans syntaktische Explikation der Bildhaftigkeit, in: Klaus Sachs-Hombach und Klaus Rehkämpfer (Hg.): Bildgrammatik, Magdeburg 1999, S. 96

[3] Ordnungen der Bilder, S. 98

Nach Richard Schantz ist der wichtigste Gedanke von Goodmans Symboltheorie, «dass der Unterschied in erster Linie auf der Ebene der Syntax zu suchen ist, dass er in den unterschiedlichen syntaktischen Strukturen der jeweiligen Symbolsysteme gründet.»[2] Bei der Symboltheorie Goodmans funktioniert jedes Symbol immer in seiner Umgebung — in einem System von Symbolen, das einen syntaktischen und semantischen Bereich umfasst. Wenn es um den syntaktischen Bereich geht, spricht Goodman von einem «Symbolschema». Die strukturellen Eigenschaften der Symbolschemata, in deren Felder Symbole gebraucht werden, sind für diese Darstellung besonders von Interesse, weil sie darüber entscheiden, ob es sich um ein pikturales oder ein linguistisches Symbol handelt. Damit ist es mit der Theorie Goodmans möglich, Texte und Bilder ganz unabhängig von Auseinandersetzungen um die Semantik zu unterscheiden.[3]

[4] Wenn Goodman von «digital» spricht meint er «als endlich definiert» und nicht etwa «binär».

[5] Revisionen, S. 169 f.

Ist das Schema endlich differenziert, handelt es sich nach Goodman um ein «digitales»[4] Schema. Ist das Schema nicht endlich, ist es ein «dichtes» oder «analoges» Schema. Text — und damit alphanumerische Zeichen oder Binärcode — sind mit Zahlen und Buchstaben endlich definiert und sind so Teil eines endlichen «digitalen» Schemas.[5] Bei Bildern ist jedes Detail entscheidend — Farbigkeiten, Kompositionen, die Materialität, abgebildete Objekte — daher sind alle Bilder Zeichen eines analogen Schemas. Nach Goodman muss man also nicht wissen, wie ein einzelnes Zeichen zu interpretieren ist, um sagen zu können, ob es sich bei dem Zeichen um ein Schrift- oder Bildzeichen handelt. Erst durch die Definition des kontextualisierenden Schemas wird es möglich, Texte von Bildern zu unterscheiden. So wird durch sie eine deutliche Grenze zwischen Text und Bild gezogen.

Ein weiterer, das Computer-Bild konkretisierender, Bezug auf Goodman wird im Kapitel Zum Verhältnis von «Picture» und «Text» im Teil «IMG + SRC» fortgeführt.

 



 


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