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5_3_8 Retrievr
Oder: «Pop-CBIR»

a) Einleitung

Verglichen mit dem «Urgestein QBIC» und dem «Klassiker Viper» wirkt «Retrievr» von der österreichischen Firma «System One» besonders durch die schicke Flash-Oberfläche auf den ersten Blick wie ein Neuling unter den visuellen Bildersuchenden und wird in diversen Blogs auch so rezipiert.[1] Mit der Oberfläche von «Retrievr» kann man einen ausgewählten Teil von «Flickr» visuell durchsuchen. Dabei malt man in eine Leinwand und das Prgramm zeigt dann «zutreffende» Bilder mit Verweisen auf die großen «Flickr-Äquivalente» an.

[1] als Beispiel unter vielen — das Blog Betamode.de

[2] Charles Jacobs, Adam Finkelstein und David Salesin: Fast Multiresolution Image Querying, Seattle 1995 (PDF)

[3] Fast Multiresolution Image Querying, ebd.

«Retrievr» ist in Python, Helma und Actionscript realisiert. Letztendlich geht die Idee, die «Retrievr» benutzt, auf eine Arbeit von Charles Jacobs, Adam Finkelstein und David Salesin des Fachbereichs für Computerwissenschaft der Universität von Seattle aus dem Jahre 1995 zurück, die ihre Arbeit in einer der SIGGRAPH 1995 nachfolgenden Veröffentlichung konkretisieren.[2]

Jacobs, Finkelstein und Salesin benutzen die Wavelet-Transformation, um die zu indizierenden Bilder auf wenige Koeffizienten herunter zu rechnen. «By saving the few largest coefficients for an image (and throwing away all of the smaller coefficients), it is possible to recover a fairly accurate representation of the image.»[3]

[4] Fast Multiresolution Image Querying, S. 2

Die von Jacobs, Finkelstein und Salesin realisierte Anwednung hatte — wie «Retrievr» — auf der linken Seite eine Leinwand, die wie mit Photoshop bemalt werden konnte. Auf der rechten Seite wurden die auf die gemalte Suchanfrage passenden Bilder angezeigt. Ähnlich wie in der Flash-Version von «Retrievr» gab es bereits in der realisierten Variante von 1995 sowohl einen «interactive mode», der simultan zum Zeichnen des Benutzers die Datenbank abfragte und Ergebnisse anzeigte als auch konkrete Pläne diese Suche auf das World Wide Web anzuwenden.[4]


b) Beschreibung des Interfaces und Beobachtungen

Auch das Interface von «Retrievr» ist zweigeteilt: auf der schmalen linken Seite findet sich der Hinweis «Search by» unterschrieben mit den Links «Sketch» und «Image». Klickt man auf «Image» fragt die Software von «Retrievr» in einem Dialogfeld nach einer URL oder einem lokalen Bild, mit dem die Suche durchgeführt werden soll. Standardmäßig ist jedoch der «Sketch-Modus» aktiviert und unter dieser Auswahlmöglichkeit findet sich eine quadratische Leinwand. Direkt unter der Leinwand befinden sich die Knöpfe «Undo», «Redo» und «Clear». Darunter befinden sich vier Kreise mit unterschiedlichen Radien — sie dienen zur Auswahl der zu verwendenden Strichstärke. Abgeschlossen wird der «Flash-Film» von einer Farbpalette.


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«Retrievr» von «System One»

Auf der rechten Seite findet sich zu Anfang lediglich der Vermerk «It’s your turn!» Beginnt der Benutzer zu malen, werden nach wenigen Augenblicken auf dieser freien Fläche zwanzig auf die gemalte Suchanfrage passende Bilder angezeigt.


c) Folgerungen und Kritik

Das Interface von «Retrievr» ist «QBIC» und der PHP-Version des Viper-Interfaces dahingehend voraus, dass es die Ergebnisse anzeigt, ohne dass der Benutzer auf den kompletten Neu-Aufbau einer Seite warten muss. So ergibt sich ein die Suchanfrage befruchtendes Feedback von Eingabe und Ausgabe, ein Prozess der für die visuelle Bildersuche sehr relevant zu sein scheint. Die Funktion «Undo» der letzten Schritte sind dabei sehr praktisch. Stellt der Benutzer fest, dass ein grober Strich nicht zu dem gewünschten Ergebnis führt, kann er ihn widerrufen und mit einer anderen Aktion überschreiben.

Ist es bei «QBIC» die fein gemusterte Leinwand, die dem User fälschlicherweise andeutet, hier könne diffizil gezeichnet und ein passenden Ergebnis erwartet werden, ist es hier vor allem die feine Pinseldicke von zehn Pixeln. Die quadratische Leinwand deutet immerhin an, dass nicht nur Bilder im Breitformat gefunden werden.

 


 



 


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