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4_8 Eine kurze Geschichte des World Wide Web
Oder: Ein Textmedium entsteht

Lawrence Lessig führt in «Code — And other Laws of Cyberspace» aus, dass auch virtuelle Räume wie das Internet und das World Wide Web nie wertfrei sind. «Spaces have values. They express these values through the practices or lives that they enable or disable. Differently constituted spaces enable and disable differently.»[1]

[1] «Lawrence Lessig: Code — And other Laws of Cyberspace, New York 1999, S. 64

[2] Von dieser text-basierten Zeit der ASCII-Übertragung zeugt beispielsweise noch der text-basierten Browser «Lynx» — ein Erlebnis :)

[3] Lawrence Lessig: «Code v.2», Kapitel 6, Teil 2, 2005

Das Internet wurde als Text-Raum konstituiert und so enthält es gleichermaßen die dem als «Schriftmaschine» erkannten Computer innewohnende, Differenz von Bild und Code. Im Internet der ersten Jahre wurde aus dieser Differenz ein Ausschluss des Bildes: aufgrund geringer Bandbreiten musste das Netz auf Geschwindigkeit optimiert werden und übertrug lediglich Text.[2] «At the start of the Internet, communication was through text. Media such as USENET newsgroups, Internet Relay Chat, and e-mail all confined exchange to text — to words on a screen, typed by a person […] The reason for this limitation is fairly obvious: the bandwidth of early Net life was very thin. In an environment where most users connected at 1,200 baud, if they were lucky, graphics and streaming video would have taken an unbearably long time to download, if they downloaded at all.»[3]

[4] «Eine «Remediation» bezeichnet nach Bolter ein Erscheinen einer alten Medienform in einer neuen, s. dazu: Jay David Bolter und Richard Grusin: Remediation — Understanding New Media, Massachusetts 1999, S. 197

[5] Remediation, S. 270

[6] Tim Berners-Lee: The World Wide Web: A very short personal history, 1998

[7] Jay David Bolter und Diane Gromale: Windows and Mirrors — Interaction Design, Digital Art and the Myth of Transparency, Massachusetts 2003, S. 3

Jay David Bolter erkennt den Ursprung das Internet auch als einen textlichen; er sieht in dem Medium Internet eine «Remediation»[4] des Telegraphen: «We still picture the Internet as a reticule of electric lines civering the industrialized world».[5]

Das World Wide Web wurde von Tim Berners-Lee als ein globaler Hypertext und damit auch als ein rein textuelles Medium erdacht.[6] Durch die geringen Bandbreiten und die Etablierung des Internet als Textmedium, sind auch die ersten Jahre des World Wide Web durch eine wissenschaftliche Schlichtheit gekennzeichnet. In dem Buch «Windows and Mirrors» beschreibt Bolter das frühe Web als eine Welt der «Strukturalisten». Diese sind für ihn «a community composed mostly of graduate students and professors of computer science, who seldom ventured out of their cubicles.»[7]


 



 


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