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4_4 Zum Verhältnis von «Image» und «Source»
Oder: Die Symboltheorie von Nelson Goodman (Teil 2)

Da alle digitalen[1] Bilder einerseits im Hauptspeicher oder auf der Festplatte aus einer endlichen Anzahl an notierten Pixelwerten bestehen, andererseits auf dem Bildschirm als Abbildungen mit Inhalt und Bedeutungen gesehen werden, kommt dem digitalen Bild eine Sonderrolle unter den Abbildungen zu (s. auch Der Sonderfall «Interface»). Sucht der Betrachter nach einem umfassenden Verständnis des digitalen Bildes, muss er nach der Theorie Goodmans das Schema wechseln. Nur in diesen unterschiedlichen Schemata kann er das Bild als Notation des Computers lesen und auf dem Bildschirm betrachten.

[1] Im Gegensatz zum ersten Teil gilt hier wiederum die alltägliche Definiton des Wortes «digital».

[2] Gernot Grube: Computerbilder, in: Pablo Schneider und Moritz Wedell (Hg.): Grenzfälle, Weimar 2004, S. 48

Nach Goodman können digitale Bilder als textuelle Zeichen in einem digitalen und als piktorale Zeichen einem analogen Schema verwendet werden. «Was also Computerbilder grundsätzlich von allen anderen Bildern unterscheidet, ist ihr komplexer Aufbau, bei dem der Bilderscheinung ein binärer Code entspricht, der die stukturellen Eigenschaften eines digitalen Schemas besitzt.»[2] Durch diesen gleichzeitigen Gegensatz von analoger Abbildung und digitalem Text-Schema kommt es bei jeder Bilderdarstellung auf dem Monitor nach Grube zur «pikturalen Aufführung einer Schriftmaschine.»[3]

[3] Computerbilder, S. 64

[4] Martin Warnke: Bilder und Worte, in: Wolfgang Ernst u.a. (Hg.): Suchbilder, Berlin 2003, S. 58

Auch nach Martin Warnke gibt es bei Bildern keine endliche Anzahl an Signifikanten. Demnach ist der Text dem Bild in puncto Sucheffizienz stets voraus. «Die Zahl der Bildsignifikanten ist unendlich, wahrscheinlich sogar unsagbar groß [und ist] anders als bei Worten, bei denen es immer endlich viele Synonyme für einen Begriff gibt, die wir alle lexikographisch suchen könnten.»[4]

[5] s. hierzu den Vortrag «Vorschlag für ein visuell adressierbares Bildarchiv» von Stefan Heidenreich an der KHM, Köln 1996

Stefan Heidenreich deutet darauf hin, dass es keine «Grammatik in Bildform» gibt, die es erlaube, «Fragen zu stellen». Seit mehr als 150 Jahren gibt es nach Heidenreich jedoch auch eine Methode, Bilder in eine Art von Text zu verwandeln. «Diese Methode heißt Scanning oder Digitalisierung.» Ein digitales Bild ist so nichts anderes als ein «Feld adressierbarer Symbole.»[5]

[6] Vorschlag für ein visuell adressierbares Bildarchiv, ebd.

Durch die «Doppelexistenz» der Bilder (vgl. dazu das Verhältnis von «Picture» und «Text») müsste es nach Heidenreich möglich sein, «ein Archiv zu konzipieren, das an der Oberfläche die Dimensionen des Bildes nie verlässt, intern aber zwangsläufig in der Logik des digitalen Mediums verbleibt.» So würde das Bild als Ganzes diskursiv verfügbar. «Es ist vorstellbar, mit Bildern Aussagen zu machen und mit Bildern Fragen zu stellen.»[6]


 



 


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