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4_3 Die Schriftmaschine
Oder: Die schreibende Natur des «Rechners»

«Der Computer ist genau insofern eine sinnvolle Metapher für Geist, als Denken Rechnen und Rechnen Schreiben ist.»

— Norbert Boltz[1]

 

[1] Norbert Bolz in der Einleitung zu: Computer als Medium in: ders., Friedrich Kittler und Christoph Tholen (Hg.): Computer als Medium, München 1994, S. 12

[2] Alan M. Turing: On Computable Numbers with an Application on the Entscheidungsproblem. In. Proceedings of the London Mathematical Society 42 (2) 1937, S. 230-265

Das Leitmedium unserer Zeit geht auf das von dem Logiker und Mathematiker Alan M. Turing 1936 beschreibende Modell der «Turingmaschine» zurück. Die «Turingmaschine» besteht aus einem Speicherband mit Feldern. In jedem dieser Felder kann genau ein Zeichen gespeichert werden und einem programmgesteuerten Lese- und Schreibkopf, der sich auf dem Speicherband feldweise bewegt und die Zeichen verändern kann. Mit den drei Grundoperationen «scanning», «writing» und «Position des Schreibkopfes bewegen» lassen sich sämtliche mathematischen Grundfunktionen simulieren.[2] Wie wir heute wissen, lassen sich auf diese Theorie aufbauend äußerst komplexe Programme simulieren.

[3] Gernot Grube: Computerbilder in: Pablo Schneider und Moritz Wedell (Hg.): Grenzfälle – Transformation von Bild, Schrift und Zahl, Weimar 2004, S. 56

[4] Computerbilder, ebd.

Dass Turing ein rein mechanisches Verfahren für die Berechnung von Zahlen definieren konnte, geht nach Gernot Grube auf die Möglichkeit «der Operationalisierbarkeit von Schrift zurück.»[3] Bei den Grundoperationen des «Rechners» handelt es sich nicht um Rechenoperationen sondern um Operationen mit Schrift. Das bedeutet, es handelt sich um Operationen, die nicht etwa für Zahlen sondern für Schriftzeichen definiert sind. Operationen also, die völlig losgelöst von einer Referenz der Schriftzeichen durchgeführt werden können.»[4] Wenn der Computer also Bilder oder Texte prozessiert (und scheinen diese Operationen mitunter auch noch so menschlich) sind für ihn die Verarbeitung von Bild und Text stets eine Manipulation von Geschriebenem.

[5] Computerbilder, ebd.

[6] Computerbilder, S. 49

[7] Computerbilder, S. 64

Auf dieser Ebene des Textes sind Zahl, Bild und Text gleichberechtigt und auf gleiche Weise prozessierbar. Für die Bilder schließt Grube daraus: «Computerbilder haben in Unterschied zu traditionellen, so genannten analogen Bildern einen permanent komplexen Aufbau, da sie immer zugleich binärer Code und Bildschirmerscheinung sind.»[5] Dieses gleichzeitige «Innen und Außen von Computerbildern»[6] erinnert daran, dass jedes Prozessieren eines Computer-Bildes auf Text-Operationen zurückzuführen ist. «Die Bilder können auf [dieser] strukturalen Ebene, auf der es um spezifische Eigenschaften eines syntaktischen und eines semantischen Bereichs geht, als Notationssysteme aufgefasst werden.»[7]

[8] Lev Manovich: The Language of New Media, Cambridge 2001, S. 26 f.

Auch nach Lev Manovich kann der Computer nicht nur Zahlenketten lesen, statistische Ergebnisse ausgeben oder beispielsweise die Flugbahn eines Projektils berechnen, «now it can read pixel values, blurring the image, adjusting its contrast, or checking whether it contains an outline of an object. Building on these lower-level operations, it can also perform more ambitions ones — searching image databases for images similar in composition or content to an input image.»[8]


 



 


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