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4_11 Schlussfolgerung
Oder: Metadata als Lösung des «BLOB-Problems»?

Wie in «Dies ist keine Pfeife» werden im Kontext der textbasierten Suche nach Bildern im World Wide Web Bilder durch ihre angehängten Texte wie Dateinamen und «tags» ebenfalls leichtfertig zu dem, was sie abbilden. Da die Suchmaschinen nur Texte miteinander vergleichen, werden als Antwort auf eine Texteingabe kurioserweise (meist) auch diesen Text «bedeutende» Bilder angezeigt. Wie die Abbildung der Abbildung in Magrittes Zeichnung, verleitet die Simulation einer Semantik im Text-Medium World Wide Web den Benutzer (bzw. oder Betrachter) zu der Ansicht, das Suchergebnis (bzw. das Abgebildete) sei, was es darstelle oder der Text sei die einzig vorstellbare Ordnungsmöglichkeit von Bildern.

In der Vorstellung Virillios zeigt sich zum einen, dass eine zu große Differenz zwischen Präsenz im Alltag und einer theoretischen Aufarbeitung eines Mediums mitunter falsche Vorstellungen zu schüren vermag. Gegebenenfalls könnte hier ein Interface diese Schwelle überwinden und eine nüchterne Sicht auf den «lesenden» Rechner erlauben.

Auch wenn die Vison eines Bilder «lesenden» Computers zur Zeit utopisch anmutet, so scheint der Computer als Hilfsmittel zur Ordnung der Bilder bereits heute möglich zu sein. Eine bewußte Vernachlässigung der zu erkennenden Semantik ist nach Wolfgang Ernst eher befreiend und könnte mitunter sogar unsere eigene Wahrnehmung des Visuellen schärfen. Eine Überbetonung der Metadaten scheint auch zum gegebenen Zeitpunkt falsch und einem text-betonten Hintergrund zu entstammen, da bereits jetzt der Computer zur visuellen Ordnung und Katalogisierung der Bilder benutzt werden könnte.

[1] Claus Pias: Ordnen, was nicht zu sehen ist, in: Wolfgang Ernst, Stefan Heidenreich, Ute Noll (Hg.): Suchbilder – Visuelle Kultur zwischen Algorithmen und Archiven, Berlin 2003, S. 106

Aus der Digitalisierung des Bildes und der Nutzung der Möglichkeiten der «Turing-Maschine» könnte sich beispielsweise eine Entfernung von der historisch organisierten Kunstgeschichte ergeben, deren Bilder semantisch und textlich (verschlagwortet) geordnet sind. Stellt sich eine Ordnung der Bilder durch den Computer und damit durch algorithmisches Vergleichen und Berechnung von Ähnlichkeiten ein, nähern wir uns zwar dem «Wesen» des Computers, ob dies jedoch letztendlich mehr Chancen (beispielsweise durch ein besseres Auffinden in Bild-Datenbanken oder ein weiter gefasstes Bildverständnis) oder mehr Risiken bietet, wird von Claus Pias zur Diskussion gestellt.[1]

[2] Ordnen, was nicht zu sehen ist, S. 106

Wie das kommende Kapitel zeigen wird, liegt Manovich mit seiner Betonung der Metadaten falsch: Einerseits kann der Computer bereits heute als Hilfsmittel zur Suche eingesetzt werden, ohne dass er die Semantik des Bildes zu erkennen braucht. Zum anderen greift eine rein textliche Sicht auf das Bild schlicht zu kurz. Claus Pias dagegen hat recht, wenn er sagt: «Die Automatisierung des Erkennens, Vergleichens und Klassifizierens war und bleibt eine erkennungsdienstliche Praxis, gleichgültig ob nun Verfassungsschützer oder Bilderkennungssoftwares den Kriterienkatalog abarbeiten. Wenn dabei Ähnlichkeiten erscheinen, die kein Mensch mehr als solche wahrzunehmen vermag, weil sie über unsere optische Kompetenz hinausgehen, so ist dies zugleich auch ein Fortschritt der Verwaltungstechnik, der Copyrightschützer und der Polizei.»[2]


 



 


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